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5. September 2019

Verlag Kölner Dom

Die Drôlerien der Chorschrankenmalereien des Kölner Domes

Als vierter Band in der Reihe „Forschungen zum Kölner Dom“ ist im Verlag Kölner Dom die Dissertation von Katharina Bornkessel „Die Drôlerien der Chorschrankenmalereien des Kölner Domes“ erschienen.

Bild vergrößernHintergründe mit Drolerien an der MarienschrankeFoto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte Köln, Foto: Matz und SchenkDer 1322 geweihte Domchor ist nicht nur durch seine vollendete hochgotische Architektur von herausragender Bedeutung, sondern auch aufgrund seiner zu großen Teilen erhaltenen, qualitätvollen mittelalterlichen Ausstattung. Aus den Jahrzehnten um die Chorweihe sind die Obergadenfenster, die Chorpfeilerfiguren, der Hochaltar, das Chorgestühl und nicht zuletzt die Chorschrankenmalereien hervorzuheben. Gemeinsam ist ihnen ein Anspruch höchster künstlerischer Vollkommenheit und Raffinesse, der enge Verbindungen zur französischen und lothringischen Kunst der Zeit aufweist.

Bei den Chorschrankenmalereien handelt es sich um einen der größten und sicher um den anspruchsvollsten Wandmalereizyklus des frühen 14. Jahrhunderts in Deutschland. Die sechs in ihrer Gestaltung und Malweise gewaltigen Altarbildern ähnelnden Schranken sind mit Temperamalereien versehen. Sie präsentieren die Viten (Lebensbeschreibungen) des Dompatrons Petrus und der wichtigsten im Dom verehrten Heiligen. Auf der Nordseite zeigen sie das Leben des hl. Petrus von seiner Berufung am See Genezareth bis zu seinem Märtyrertod am Kreuz, das Leben des hl. Papstes Silvesters und Kaiser Konstantins des Großen, auf der Südseite das Marienleben, die Legende der Heiligen Drei Könige sowie die Viten der hll. Nabor und Felix sowie des hl. Gregor von Spoleto. Die einzelnen Bildszenen werden von gemalten Baldachinen gerahmt, welche die bei den meisten Chorgestühlen der Zeit üblichen hölzernen Dorsale (Baldachine) über den einzelnen Stallen (Sitzen) ersetzen.

Die roten und blauen Hintergründe der Malereien erinnern in ihrer Gestaltung an mittelalterliche Textilien und auch Glasfenster. Hier sowie in der unter den Malereien verlaufenden Schriftzone und zwischen den Baldachinen finden sich zahlreiche Drôlerien, wie sie vor allem in der gotischen Buchmalerei weite Verbreitung gefunden haben. Dabei handelt es sich um kleine Figuren und Szenen. Sie stellen zum Beispiel Fabel- und Mischwesen, Figuren aus dem Repertoire der hohen und niederen Minne (Liebe), ritterlichen Wettkampf, Musikanten oder Spiel dar. Viele der Szenen haben einen Bezug zur höfischen Literatur der Zeit aber auch zur Philosophie. In einem Raum, der im Mittelalter der hohen Geistlichkeit und dem Adel vorbehalten war, wenden sie sich betont an einen gebildeten Rezipienten.

Bild vergrößernWerfer in der Schriftzone der DreikönigenschrankeFoto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte Köln, Foto: Matz und SchenkIn der bei dem renommierten Kunsthistoriker Prof. Dr. Dethard v. Winterfeld an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz eingereichten, mit summa cum laude bewerteten Dissertation von Dr. Katharina Bornkessel, die nun in Buchform vorliegt, wird erstmals der erhaltene Bestand von über 500 Drôlerien im Bereich der Chorschrankenmalereien umfassend zusammengestellt und ins Zentrum der Betrachtungen gerückt. Die einzelnen Szenen werden von der Autorin identifiziert, gedeutet und in den geistesgeschichtlichen Kontext der Zeit eingeordnet. Stilistisch kann sie deutliche Bezüge zur Pariser Hofkunst, besonders zur Buchmalerei nachweisen. Aber auch die formalen und inhaltlichen Bezüge zum Chorgestühl des Domes werden herausgearbeitet, wodurch sich in diesem Zusammenhang bei den Chorschrankenmalereien erneut die Frage nach der Datierung stellt. Nach bisherigem Forschungsstand liegen zwischen der Entstehung des Gestühls und der Malerei etwa 30 Jahre. Die neuen Erkenntnisse machen es aber wahrscheinlich, dass beide Ensembels, die eng aufeinander bezogen sind, doch in engerer zeitlicher Nähe entstanden sein müssen.Die Veröffentlichung der Dissertation wurde durch die Annemarie und Helmut Börner-Stiftung, die Irene und Sigurd Greven Stiftung, das Erzbistum Köln, das Bistum Mainz, die Gerda Henkel Stiftung, die Stiftung für Kunst und Buchkultur Britta und Ulrich Findeisen, durch den Landschaftsverband Rheinland und durch Züblin Strabag gefördert. Ihnen allen gebührt unser aufrichtiger Dank.

Matthias Deml